Der Regenmacher

 

„In einem Dorf irgendwo herrschte große Sorge, denn es wollte nicht regnen. Ohne Regen aber würde die Ernte nicht gelingen und das Dorf den strengen Winter nicht überstehen. Also schickte man nach Regenmachern. Es kamen diese und jene, und sie vollzogen mit großem Aufwand ihre Zeremonien, doch der Regen wollte nicht kommen.    


Als das Dorf nicht mehr weiter wusste, erinnerte man sich an einen alten Mann, der einsam hoch oben in den Bergen lebte und vielleicht Regen machen könnte. Man sandte nach ihm, und er kam. Man fragte ihn, was er denn zum Regenmachen brauche, und er bat lediglich um eine Hütte außerhalb des Dorfes und um täglich Reis und Wasser, 

das man ihm vor die Hütte stellen solle. "Ist dies alles?" fragten die Dörfler. "Ja, das ist alles!", und damit zog sich der alte Mann zurück, nachdem er vorher noch einmal durch das Dorf gegangen war. Es dauerte drei oder vier Tage,

und dann regnete es.    


Als der Mann gefragt wurde, wie ihm das gelungen sei, antwortete er:

"Als ich in das Dorf kam, sah ich, dass ihr untereinander und mit der Natur in Unordnung wart. Da habe ich mich gefragt, wo denn in mir etwas in Unordnung ist, setzte mich mit dieser Frage in die Stille und brachte mich in Ordnung. Durch diese meine Ordnung konnte sich die Natur an ihre eigene Ordnung erinnern, und es konnte regnen“.    

 

 

(Harald Jordan)